Flüchtlingsarbeit

Seit Juli 2015 zählt die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu unseren Tätigkeitsbereichen im Rahmen der Jugendhilfe. Aktuell ist es uns mit unseren Wohngemeinschaften in Trabitz möglich, Schutz-, Wohn- und Betreuungsräume in der Oberpfalz zu bieten. Angelehnt an die Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht (Heimerziehung nach §34 SGB VIII) oder in einer sonstigen betreuten Wohnform finden die uns anvertrauten unbegleitet minderjährigen Flüchtlinge in unserer Einrichtung eine Atmosphäre vor, die ihnen Schutz und Wertschätzung vermittelt. Durch eine Verbindung von Alltagserleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten und Deutschkursen werden sie in ihrer Entwicklung gefördert und in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung sowie der allgemeinen Lebensführung beraten und unterstützt.

Arbeitsziel

Da die jungen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, mit oft schrecklichen Fluchterlebnissen und meist erst seit kurzer Zeit bei uns in Deutschland verweilen, ist es sehr wichtig, sich in der täglichen pädagogischen Arbeit auf folgende Ziele zu konzentrieren:

  • Vertrauen zu den Neuankömmlingen schaffen
  • eine Atmosphäre der Geborgenheit und des Wohlfühlens erzeugen
  • Hilfe zur Orientierung und Förderung der aktuellen Lebenssituation bieten
  • bei Anforderungen des Alltags helfen
  • einen klar strukturierten Tagesablauf vorgeben
  • Regeln und Hausordnung einüben
  • emotionale und psychosoziale Defizite aufarbeiten
  • den jeweiligen individuellen Hilfebedarf berücksichtigen

Im weiteren Verlauf der Hilfe wird der Fokus verstärkt auf folgende Ziele gelegt:

  • Erprobung von hauswirtschaftlichen Fähigkeiten
  • Umgang mit Behörden vermitteln
  • weitestgehend eigenständige, verantwortliche Lebensführung ermöglichen
  • Meistern von Konfliktsituationen
  • Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache
  • Unterstützung beim Erlernen der geltenden Werte und Normen in Deutschland
  • Stärkung und Stabilisierung der Persönlichkeit
  • Aufarbeitung von dramatischen Erfahrungen
  • Integration in das soziale Umfeld
  • Aufbau eines sozialen Netzwerkes
  • Förderung von sinnvollen Freizeitaktivitäten und sportlichen Aktivitäten

Zielgruppe

Aufgenommen werden unbegleitete männliche minderjährige Flüchtlinge (Im Alter von 16 und 19 Jahren), z. B. aus Syrien, Somalia, Afghanistan, Pakistan, Irak und Iran, welche schon einen Clearingprozess durchlaufen haben.

Wichtige Aufnahmekriterien sind:

  • Aufenthalt ohne Elternteil oder Sorgerechtsberechtigter in Deutschland
  • Unkenntnis der fremden Kultur
  • Dramatische und traumatische Erfahrung in der Heimat oder auf der Flucht
  • Abbruch eines bestehenden Lebenszusammenhanges
  • Schutzlosigkeit
  • Bereitschaft zum Schulbesuch oder zur betrieblichen Ausbildung
  • Bereitschaft, die deutsche Sprache zu erlernen
  • Motivation des Jugendlichen zur Mitarbeit
  • Einhaltung und Anerkennung der bestehenden Regeln
  • Ein Aufenthalt von mindestens 6 Monaten in der WG

Die soziale Gemeinschaft der Wohngruppe ist für Jugendliche und junge Erwachsene besonders geeignet, die

  • in einem geschützten Rahmen ihre individuellen Fähigkeiten entdecken, erproben und entwickeln möchten.
  • die im Schutz der Gemeinschaft Kompetenz für ihre berufliche und soziale Integration ausbauen und erproben wollen.

Methoden

Die Basis unserer Arbeit in den Wohngruppen ist ein strukturierter Tagesablauf, welcher einen verbindlichen Orientierungsrahmen für die jungen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge garantiert. Die Arbeitsweise ist ressourcenorientiert, mit dem Ziel des „Empowerments“, dem „Stark machen“ des Jugendlichen. Bestehende Netzwerke und Kooperationen unserer Einrichtung werden genutzt, um für den jungen Menschen ein Unterstützungsnetzwerk aufzubauen, auf das er auch nach Beendigung der Jugendhilfe zugreifen kann.

Der gelebte Alltag in der Wohngruppe wird zum Lern- und Erprobungsfeld für die Gestaltung eines späteren eigenständigen Lebens und der selbstverantwortlichen Lebensführung.

Da die jungen Menschen in einer eigenen Wohnung leben, ist die Reflexion ihrer eigenen Handlungen und Tagesabläufe zentrales Leistungsmerkmal. Die Betreuung zu wöchentlich kontinuierlichen, festen Besuchszeiten in der eigenen Wohnung der Jugendlichen/jungen Erwachsenen durch die Mitarbeiter gewährt einen festen Bezugsrahmen.

Die Einbindung des jungen Flüchtlings in die ihn umgebende, soziale Umwelt wird gefördert durch:

  • Das Kennenlernen anderer Jugendlicher durch gemeinsame Veranstaltungen verschiedener Wohngruppen innerhalb unserer Einrichtung (wie gemeinsame Essen, Sommerfeste, Freizeitaktivitäten mit viel Sport und Bewegung, Kunst- und Kulturprojekte),
  • freundschaftliche Kontakte an der Schule,
  • das Aufsuchen von Jugendtreffs, Sportvereinen, Kulturvereinen, etc.,
  • den Vormund als Interessens- und gesetzlichen Vertreter.
  • Flankiert werden diese maßgeblich von der Kontaktfreude des einzelnen Jugendlichen abhängigen Beziehungen von einem professionellen Helfersystem, welches den jungen Menschen unterstützt und befähigt, bei einem weiteren Verbleib in Deutschland, auch nach Beendigung der Jugendhilfe soziale Ressourcen in Anspruch zu nehmen:
  • Medizinische und psychotherapeutische Hilfe (beispielsweise Gesundheitsdienste),
  • Sprachförderangebote und Integrationskurse,
  • Infrastruktur kennenlernen und nutzen (wie Verkehrsnetz, Einkaufsmöglichkeiten, Soziale Dienste, öffentliche Einrichtungen),
  • Kontakte zu verschiedenen Ansprechpartnern aufbauen und pflegen (Rechtsanwälte, Ärzte, Dolmetscher, Therapeuten etc.).
  • Unser Methoden-Plus: Erlebnispädagogische und umweltpädagogische Aktivitäten: Selbst- und Gruppenerfahrung durch Erlebnispädagogik, Klettern, Kanu, Trekking

Zeitlicher Rahmen

Die Betreuungszeiten der Wohngruppen liegen in den späten Nachmittags- und Abendstunden, täglich von 17.00 Uhr bis 22.00 Uhr. An den Wochenenden findet eine Betreuung bis 24.00 Uhr und ein Nachtbereitschaftsdienst statt.