1,2: Diese Note erhält der Eschenbacher Waldkindergarten bei einer Umfrage unter den Eltern. Der Stadtrat informiert sich bei seiner Waldbegehung selbst vor Ort, wie erfolgreich die Idee von Martin Gottsche mittlerweile ist.

„Sachstandsbericht zum Waldkindergarten“, lautete der erste Tagesordnungspunkt bei der Waldtour des Gremiums. Fachliche Begleiter waren Forstdirektor Moritz Neumann und Forstamtsrat Martin Gottsche. Im Waldgebiet Dessenreuth wertete Gottsche das 515 Hektar große stadteigene Areal nicht nur als Klimaschutzfaktor. Er sah in ihm auch ein wertvolles Erholungsgebiet mit großen Naturschutzflächen, das Eschenbach gegenüber anderen Gemeinden zum Vorteil gereiche.

Die „Sitzung“ startete an der Aufenthalts- und Spielfläche des Waldkindergartens, der von „Learning Campus“ (LC) betreut wird. LC-Geschäftsführer Stefan Müller und Kindergartenleiterin Delia Asimi warteten dort bereits auf die Kommunalpolitiker. Müller erinnerte an den Start des Waldkindergartens im September 2017 mit fünf Mädchen und Buben. Nach dem „Überwintern“ mit 12 Kindern habe sich deren Zahl inzwischen auf 18 erhöht, teilte er mit und berichtete von 4 weiteren Anmeldungen zum Jahreswechsel 2018/2019. Da für Eschenbach keine weitere Gruppe vorgesehen sei, kündigte er eine Warteliste an.

Müller bescheinigte der Einrichtung, die „schneller gewachsen ist, als jemals vorgestellt“, eine hohe Qualität. Aktuell kommen die betreuten Mädchen und Buben aus Auerbach, Freihung, Kirchenthumbach und Pressath (jeweils ein Kind), der größte Teil jedoch aus Eschenbach.

Für die stete Kooperation und die begleitenden Gespräche mit der Stadt bedankte sich Delia Asimi. „Wären Sie am Vormittag gekommen, hätten Sie mit den Kindern Stockbrot backen können“: Mit diesen Worten machte sie den Besuchern Appetit und stellte den Tagesablauf der „Waldkinder“ vor, der Lieder, Sprüche, Geschichten und viel freie Beschäftigung beinhalte. Einen hohen Stellenwert maß sie dem vier Wochen langen Erzählen der gleichen Geschichte bei, das die kognitive Entwicklung der Kleinen fördere. „Nach einem Monat können die Kinder die Geschichte nacherzählen“, versicherte Asimi.

Sie führte die Besucher zu „Ausruheecken“ und zu waldgerechten „Arbeitsplätzen“, an denen die Kinder mit Naturmaterial „besondere Sachen basteln“, zuletzt Laternen für die Martinsfeier. Im Übrigen lernten die Kinder, die „Natur und die Erde, auf der wir leben, wert zu schätzen“. Als Beispiel nannte sie Glitzersteine, an denen Erwachsene gedankenlos vorbeigehen.

Als Betreuungskräfte fungieren Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, aber auch junge Kräfte, die sich im Zuge eines freiwilligen sozialen Jahres einbringen. Erfreut zeigte sich die Leiterin des Waldkindergartens über die bisher unfallfreie Zeit im Wald und über die Möglichkeit, im Hessenreuther Wald ein Köhlerhüttenprojekt besuchen zu können. Schließlich bescheinigte Asimi den „Waldkindern“ einen wesentlich sichereren Bewegungsablauf als „Stubenhockern“ und ein erhöhtes Gleichgewichtsgefühl.

Sichtlich erfreut zeigte sich „Waldfuchs“ Reinhard Wiesent, als er auf seine Frage nach einfachsten handwerklichen Tätigkeit erfuhr: „Wir beschäftigen die Kinder mit Hammer, Säge, Nägeln, Schmirgelpapier und Kinderschnitzmesser.“ Für diese praktischen Tätigkeiten seien allerdings bestimmte Regeln vorgegeben. So sei dabei ein Betreuer nur für vier bis fünf Kinder zuständig.

Als Zeichen des Erfolgs und eines nicht erwarteten Bekanntheitsgrades wertete Stefan Müller, der Geschäftsführer von „Learning Campus“, bundesweite Anfragen, die beispielsweise „Wie macht ihr Waldkindergarten?“ lauten. Bürgermeister und Stadträte zeigten sich begeistert und sahen in der Institution eine Bereicherung für die Kleinkinder sowie für den Walderlebnispfad.

Bericht aus Der Neue Tag vom 22. November 2018.